Was ist Kinaesthetics? Früher und heute - Mai 2021
 

Erst letztens hatte ich eine interessante Begegnung mit  Verkäufern/Vetretern von Pflegebetten und einer Heimleitung mitsamt Mitarbeitern von einem Seniorenheim.
Die Vertreter der Pflegebettenfirma waren zu zweit, ein Geschäftführer und ein Fachmitarbeiter aus der Pflege-Praxis, ein ausgebildeter Krankenpfleger mit Managmentaufgaben (senior manager). Dieser Senior Manager war noch recht jung, konnte also noch nicht so lange aus der Praxis draussen sein. In der Diskussion ging es um ein konstruktives Feedback der Heimleitung und der Mitarbeiter: die Seitenteile der Betten konnte man nicht weit genug nach unten versenken. Wenn ein Mensch, pflegebedürftig oder nicht, nun am Bettrand sitzt, drücken die Seitenteil auf die Unterseite der Oberschenkel. Schmerzbekundungen: "Au, au, au", Abwehrhaltung, Agression, erhöhte Körperspannung, nicht mitmachen wollen .... sind Reaktionen, die Mitarbeitern im Alltag auffielen.

 

Unsere Annahmen beeinflussen Verhalten

Der Senior Manager (Krankenpfleger) ergriff das Wort:

Ich kenne Kinaesthetics als Technik, als Möglichkeit, Gewicht rückenschonend transferieren zu können. Wenn der hilfebedürftige Mensch nicht mehr weiterkommt, kann ich ihn mit Hebelwirkung kinästhetisch umsetzen, ihn hochheben und einfach transferieren - ich verstehe das Problem an den Betten nicht!"

 

Welcher Grundgedanke bzgl. Kinaesthetics zeigt sich beim Senior Manager?

- Gewicht transferieren

- ich als Mitarbeiter mache und übernehme
> Kinaesthetics als Technik: Rückenschonendes Arbeiten für Fortgeschrittene

 

Ich denke, früher war man noch so unterwegs und hat Kinaesthetics "unterrichtet" mit Handgriffen, um Gewicht (eigentlich Menschen) leichter zu bewegen.

Heute versteht man immer besser, dass es um Lernprozesse gehen kann, ja eigentlich muss, wenn man den Menschen nicht nur als totes Gewicht sieht und bewegt,
sondern ihm als bio - psycho - soziales Entwicklungswesen gerecht wird. 

Es geht um von und miteinander Lernen - Mitarbeiter und Bewohner.

 

Der Kinaesthetics Lernprozess

"Warum gibt es heute so eine Diskussion? Dieses Thema mit den Bettgittern wurde noch nie thematisiert!", ergriff der Geschäftfüher der Bettenfirma das Wort.


Lasst uns dieser Frage nachgehen - wodurch können jetzt Fragen klar gestellt und Themen konkretisiert und klar formuliert werden? Hat dies etwas mit Kompetenzentwicklung,  produktiven Lern- und Entwicklungsprozessen im Team, in einer Organisation, unter Mitarbeitern und Bewohnern/Klienten zu tun?

 

Eigenerfahrung der Mitarbeiter - von und miteinander Lernen
Sie begeben  sich auch ins Pflegebett um die Situation des Bewohners zu erfahren, zu verstehen um geeignete Anpassungen machen zu können. Kinaesthetics Werkzeuge helfen ihnen, die eigene Bewegungserfahrung einordnen, besser  verstehen und beschreiben zu können. Um dann beim Bewohner in Alltags- und Unterstützungsaktivitäten in Richtung mehr Selbstwirksamkeit, weniger Schmerzen, weniger Körperspannung und weniger Abhängigkeit unterwegs zu sein. Um Gesundheit zu fördern und gemeinsam ein mehr an Lebensqualität zu ermöglichen.

 

Kinaesthetics Fachsprache
Ebenso können die Mitarbeiter durch Kinaesthetics als Werkzeug zur Entwicklung von Fachsprache die Situation besser beschreiben und sich im Austausch klarer drüber werden.

Blickpunkt:  Funkt. Anatomie

"Die harte Seite des Bettgitters schneidet in die weichen Vorderseiten der Masse Bein, die weniger dazu gedacht sind Gewicht abzgeben. Die Wirkung kann Anspannung, erhöhte Schmerzen, Abwehrhaltung und Agression sein."

 

 

Ausblick - wo kann es hingehen?

Aus kybernetischer Sicht gibt es keinen Stillstand, es kann kein Verharren einer Entwicklung geben, es geht immer in die eine, oder in die andere Richtung.

Deswegen sollte unser Ziel oder unsere Absicht sein, gemeinsam zu suchen:

 

- was hilft mehr Möglichkeiten zu entwickeln?

- was hilft dem Menschen, sich besser zu verstehen?

- was hilft uns miteinander klarer im Austausch zu sein?

- wie können wir als Menschen unsere Entwicklung und unserer Lernprozesse aktiv 

   gestalten und positiv beeinflussen?

 

Damit wir geeignete Lernpartner sind, die kein totes Gewicht transferieren,
sondern Menschen in ihren Alltagsaktivtäten qualitativ unterstützen können.
Und dabei uns selbst nicht aus den Augen verlieren sollten.
Vor allem in der heutigen Zeit, Fortbildungen für Mitarbeiter werden abgesagt....
Aber diese Menschen sind auch mit ihren Themen unterwegs, die schnellstmöglich miteinander produktiv weiter bearbeitet werden sollten.

 

Es geht um von- und meiteinander lernen. TM

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© Patrick Neumüller